Nach längerer Pause gibt es heute wieder eine Folge der Top-100 Schriftzeichen. Ich habe in den letzten zwei Wochen meine ersten 4 Doppelstunden Chinesisch-Frontalunterricht an der Uni Passau genossen. Doch dazu später mehr.
Wir betrachten jetzt die Plätze 21-25 in der Häufigkeitsverteilung. Auf Platz 21 mit einer Häufigkeit von 0,50 % finden wir de/dì. Seine wichtigste Funktion besteht in der Bildung von Adverbien. Weiterhin hat es die Bedeutung „Feld, Erdboden, Grund, Land Ort“ De/dì ist nicht zu verwechseln mit dem häufigsten Zeichen überhaupt, das auch de heißt, aber anders aussieht und eine andere Bedeutung hat.
Hier wird auch eines der Probleme bei Chinesisch deutlich: Es gibt nur sehr wenig Silben! Da wir nun wissen, was Boden heisst, können wir wieder interessante Sätze bilden. Zum Beispiel „五体投地 (wǔ tǐ tóu dì ) – Für jemanden tiefe Bewunderung hegen“ Wie tief diese Bewunderung ist, wird klar, wenn wir uns ins Gedächtnis rufen, dass de/dì etwas mit dem Erdboden zu tun hat. Die direktere Übersetzung ist nämlich „sich zu Boden werfen“! Aber erstmal „充分地 (chōngfèn de) – genug“ davon.
Sehen wir uns Platz 22 an: Hier begegnet uns mit 0,498 % daò, oder vielmehr korrekt dào. Diese Woch habe ich gerlernt, dass der Akzent bei Doppelvokalen immer über dem ersten Vokal sein muss! Dào heißt schlicht und einfach „bis, nach, zu“.
Als Verb gebraucht kann es auch „ankommen, eintreffen, gelangen“ bedeuten. Das sollte man sich am besten gleich „注意到 (zhùyì dào)- merken“, oder?
„认识到 (rènshí dào) – erkennen, sich über etwas klar werden“ hilft uns beim Chinesisch lernen natürlich auch weiter…
Platz 23, mit 0,470 % Häufigkeit, wird von yǐ eingenommen. Das seltsame Zeichen über dem i ist das Ton-Zeichen, das uns die chinesische Aussprache anzeigt. (Für mehr Details zur chinesischen Aussprache, schaut hier.) Yǐ ist sehr vielseitig. Die Grundbedeutung ist „durch, mit, mittels“. Und für ein paar Beispielssätze bietet es sich geradezu an!
So ist es immer gut, „以防万一 (yǐ fáng wànyī) – auf alle Eventualitäten vorbereitet (zu) sein“ (Das zweite yī ist übrigens das zweithäufigste Schriftzeichen). Wäre natürlich schön, wenn sich alle Chinesischen Schriftzeichen auch gleich „难以忘怀的 (nán yǐ wànghuái de) – unvergesslich“ einprägen würden. Aber das ist wohl eher „难以相信的 (nán yǐ xiāngxìn de) – unwahrscheinlich“. Schade!
Das nächstplazierte chinesische Zeichen ist mit 0,452 % shuō. Es bedeutet „sagen, sprechen“ aber auch „tadeln“ und „erläutern“.
Obwohl das Zeichen so häufig ist, ist nirgendwo eine vernünftige Animation oder sonstiges zu dem Zeichen zu finden. Das ist aber „没说的 (méi shuō de) – kein Problem“. Etwas MS Paint und schon ist wenigstens ein Bild da. „好得没话说 (Hǎo de méi huà shuō) - Kann man sich nicht beklagen“, oder?
Das letzte chinesische Zeichen für heute ist shí (Häufigkeit 0,431 % im modernen Chinesisch). Shí heißt „Stunde, Zeit, Zeitalter, Uhrzeit, Zeitpunkt, Zeitraum“.
„这时 (zhè shí) – Jetzt“ sind wir auch schon am Ende des 5. Teils angekommen. Ich schließe diese Folge mit dem Wunsch, dass sich allen Lesern 时来运转 (shí lái yùnzhuǎn) – (sich jem.) das Glück zuwendet“. Das ist übrigens ein Chengyu, ein Chinesisches Sprichwort.
Tom
Die anderen Teile der Serie findet Ihr hier: